Am 2. Dezember 2021 ging die virtuelle Ausstellung „Himmelswege. Formen spätmittelalterlicher Laienfrömmigkeit im mitteldeutschen Raum“ bei der Deutschen Digitalen Bibliothek online. Studierende der Theologischen Fakultät kuratierten unter der Leitung von Frau Dr. Christiane Domtera-Schleichardt 130 Objekte zum religiösen Alltagsleben der Laien im Spätmittelalter, darunter auch interessante Beispiele aus Leipzig und Umgebung.

Verschiedene Bilder von christlichen Motiven, Foto: Christiane Domtera-Schleichardt.
Ausstellungsübersicht, Foto: Christiane Domtera-Schleichardt. Bildnachweise am Ende der Seite.

„Wie komme ich in den Himmel?“ – diese Frage beschäftigte die meisten Menschen im Spätmittelalter tagtäglich. Die Forschung spricht von einer Vielfalt, Intensivierung und Steigerung der Frömmigkeit, ja einem „immense appétit du divin“ (Lucien Febvre). Die Zeit um 1500 gilt gar als „eine der kirchenfrömmsten Zeiten des Mittelalters“ (Berndt Hamm). Der Boom erfasste nicht nur die Städte, sondern auch Kleinstädte und Dörfer. Den Menschen boten sich viele Möglichkeiten, durch frommes Handeln für ihr irdisches Leben, aber auch für das Jenseits vorzusorgen, kurz: es gab viele „Wege zum Himmel“. Doch welche Vorstellungen von Himmel und Hölle hatte man vor Augen? Welche Wege suchte man, um sich das himmlische Heil zu verdienen? Wo und wie erfuhr man vom Himmel? Und wie konnte man schon auf Erden ein Stück Himmel erleben?

Im Sommersemester 2021 beschäftigten sich Studierende der Theologischen Fakultät Leipzig unter der Leitung von Frau Dr. Christiane Domtera-Schleichardt in einer kirchenhistorischen Übung mit Frömmigkeitsformen im Spätmittelalter. Veranlasst durch die Corona-Situation entstand die Idee, statt wöchentlicher Videokonferenzen ein gemeinsames Ausstellungsprojekt zu realisieren. So bot die Übung den Studierenden in einem „digitalen Semester“ Vernetzung und engen Austausch sowie die Möglichkeit, kompetenz- und praxisorientiert zu arbeiten, ging es doch darum, angeeignetes Fachwissen verständlich und ansprechend an ein breites Publikum zu vermitteln. Nach einem selbst erarbeiteten Konzept wurden Themen wie Vorstellungen von Himmel und Hölle, Tod, Ablass, Heiligen- und Reliquienkult, Wallfahrt, Predigt und Geistliches Spiel vier Ausstellungsbereichen zugeordnet, zu denen die Studierenden in Teams Fachliteratur recherchierten, interessante Objekte auswählten, beschrieben und multimedial aufbereiteten. Dabei konnte insbesondere auf eine Fülle von Publikationen und Katalogen zurückgegriffen werden, die im letzten Jahrzehnt im Zusammenhang mit großen Ausstellungen zur mitteldeutschen Frömmigkeit entstanden sind und den Forschungsstand auf ein neues Niveau gehoben haben („Umsonst ist der Tod. Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation“, 2014; „Tetzel – Ablass – Fegefeuer“, 2017). Über 120 Ausstellungsobjekte – schriftliche Quellen, aber auch Kunstwerke, Sachzeugnisse, Videos und Audios – geben anschaulich Einblicke in das religiöse Alltagsleben der Menschen und ihr Engagement für die Kirche.

Werbefilm Himmelswege

Zugang zur virtuellen Ausstellung bei der Deutschen Digitalen Bibliothek:

https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/froemmigkeit-im-spaetmittelalter-in-mitteldeutschland/

Projektidee und -leitung:

Dr. Christiane Domtera-Schleichardt, Institut für Kirchengeschichte der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig

Kuratierung und Umsetzung:

Michal Burkhardt, Ole Depenbrock, Dr. Christiane Domtera-Schleichardt, Jan Glaser, Eva Kranz, Jakob Schumann, Elisa Ströle, Lorenz Thor

Ausstellungsplakat
PDF 739 KB

 

Bildnachweise

  • [1] Den Himmel vor Augen: Lukas Cranach d. Ä.: Das Jüngste Gericht, Gemälde um 1525–1530. Das letzte Gericht mit Christus als Richter. Die einen werden (links) von Petrus in den Himmel eingelassen, während die anderen von Dämonen und Teufeln (rechts) in die Hölle geschleift werden. Um Christus versammelt halten die Heiligen, u. a. Maria und Johannes der Täufer Fürbitte. The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City (https://art.nelson-atkins.org/objects/23573/the-last-judgment), Rechte vorbehalten – freier Zugang.
  • [2] Den Himmel verdienen: Das Jüngste Gericht (Detail), um 1496, ursprünglich Kirche zu Haina bei Römhild, Öl auf Nadelholz, Meininger Museen (https://www.meiningermuseen.de/). Foto: Tino Sieland Fotografie, Mühlhausen (https://www.tinosieland.de/).
  • [3] Vom Himmel hören: Detail der spätgotischen Kanzel in der Dorfkirche Zipsendorf (Thüringen), errichtet 1512. Foto: Christiane Domtera-Schleichardt.
  • [4] Den Himmel erleben: Freiberger Dom St. Marien. Tourismusverband Erzgebirge e.V./Greg Snell snellmedia.com (https://www.mynewsdesk.com/de/erlebnisheimaterzgebirge/images/dom-st-marien-in-freiberg-1307043), Foto: Tourismusverband Erzgebirge e.V./Greg Snell snellmedia.com.

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