Unsere Professoren wie auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter forschen an sehr unterschiedlichen Themen. Hier finden Sie eine Übersicht über unsere Schwerpunkte mit einer kurzen Erläuterung.

Die Rostra des Paulus in Korinth, Foto: Jörg Fritsche
Die Rostra, die Rednerbühne, auf der der Apostel Paulus in Korinth in Griechenland gesprochen haben soll. Foto: Jörg Fritsche.

Das frühe Christentum geht aus dem Judentum des 1. Jahrhunderts hervor, das maßgeblich durch die hellenistische Kultur geprägt ist. Deshalb gehört dieser Bereich ganz zentral zu den Forschungsgebieten der neutestamentlichen Wissenschaft. In Leipzig wird dies (im Verbund mit anderen Universitäten und Einrichtungen) im Rahmen des Forschungsprojektes Corpus Judaeo-Hellenisticum unternommen. Dabei geht es nicht nur um die Erforschung der Jesusbewegung als Teil des zeitgenössischen Judentums sowie um den Einfluss des hellenistischen Judentums auf das entstehende Christentum, sondern auch um die Perspektive wechselseitiger Wahrnehmungen zwischen Judentum und Christentum.

Verantwortlich: Prof. Dr. Jens Herzer

Projekte:

  • Corpus Judaeo-Hellenisticum Novi Testamenti
  • Literaturgeschichte des hellenistischen Judentums in der römischen Zeit (1. Jh. v. – 2. Jh. n. Chr.): in: Handbuch der althebräischen und frühjüdischen Literaturgeschichte, hg. v. K. Schmid/J.-C. Gertz/U. Becker/M. Witte/J. Herzer (Mohr Siebeck, Tübingen).
  • Dissertationsprojekt zum Begriff der δόξα bei Philon von Alexandrien

Das frühe Christentum hat sich sowohl im jüdischen wie auch im hellenistisch-römischen kulturellen Raum entfaltet und kann nur im Rahmen dieser Kontexte verstanden werden. Die beiden Lehrstühle zum Neuen Testament haben jeweils besondere Schwerpunkte auf der jüdischen bzw. griechisch-römischen Umwelt, und zeichnen das frühe Christentum in diese Umwelten ein.

Ein Schwerpunkt der Arbeit zu den Kontakten zwischen frühem Christentum und hellenistisch-römischer Kultur sind die Beiträge von Marco Frenschkowski zum Reallexikon für Antike und Christentum, die zum Teil auch als separate Bücher erscheinen (Magie im antiken Christentum. Eine Studie zur Alten Kirche und ihrem Umfeld. Stuttgart 2016; Prophetie. Innovation, Tradition und Subversion in spätantiken Religionen. Stuttgart 2018; in Vorbereitung ist unter anderem eine Studie zur Geschichte der Vorstellungen eines „Teufels“).

Die Paulusbriefe sind die ältesten schriftlichen Zeugnisse des frühen Christentums und zeichnen ein anschauliches Bild über die Entstehung der frühen Gemeinden und ihrer Probleme. Im Zentrum des Forschungsinteresses steht vor allem die Frage, wie sich aus diesen Kontexten der Paulusmission eine spezifisch christliche Theologie entwickelt hat und welche Konsequenzen dies für die frühen Gemeinden auch in religionssoziologischer Hinsicht hatte – bis hin zu den späteren Ausprägungen gemeindlicher Realität, wie sie sich in den sogenannten Pastoralbriefen spiegelt.

Verantwortlich: Prof. Dr. Jens Herzer

Projekte:

  • Kommentar zu den Pastoralbriefen, Reihe Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament
  • Kommentar zum Römerbrief, Reihe Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament
  • Dissertationsprojekt: Das Konzept diakonischen Handelns im Licht antiker Vereinigungen und früher christlicher Gemeinden (abgeschlossen WS 2019/20)

Die Arbeit an der kulturellen und religiösen Umwelt des frühen Christentums hat in Leipzig besonderes Gewicht. Dabei werden sowohl historische (Jens Herzer, Pontius Pilatus. Henker und Heiliger. Leipzig 2020) wie auch religionsgeschichtliche Darstellungen publiziert. Eine Gesamtdarstellung der frühchristlichen Religion unter religionswissenschaftlichen Leitfragen von Marco Frenschkowski ist in Vorbereitung.

 

Magie und magische Texte zu erforschen, scheint in der neutestamentlichen Wissenschaft nicht ganz so nah zu liegen, doch unser Institut hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Umwelt des Neuen Testaments in möglichst vielen Aspekten in den Blick zu nehmen. Daher wird auch über antike Magie, Medizin und ähnliches geforscht.  Selbst Jesus führte Praktiken in der Nähe zur antiken Magie durch, wie uns die Evangelien berichten (Heilungen mit Speichel, oder Kraftübertragung durch Handauflegung). Wie wurden diese Züge in der Christentumsgeschichte bewertet? 

Eine Nebenlinie dieser Arbeit ist die Erforschung der Leipziger Magica-Sammlung, der größten zusammenhängenden Sammlung magischer Manuskripte in einer europäischen Bibliothek (Marco Frenschkowski, Zauberbücher: Die Leipziger Magica-Sammlung im Schatten der Frühaufklärung. Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek Leipzig 15.11.2019 bis16.02.2020. Leipzig 2019).

„Apokryph“ bedeutet „verborgen“, aber im Gegensatz zu dieser Bedeutung sind diese Schriften weder geheim noch enthalten sie verborgenes Wissen. Es handelt sich um Schriften, die nicht in den Kanon der biblischen Schriften aufgenommen worden sind. Das kann zeitliche, theologische oder auch Verbreitungsgründe haben. Für uns sind diese Schriften dennoch interessant, denn sie vermitteln uns, welche theologische Auffassungen von neutestamentlichen Themen es noch gab, wie sie sich entwickelten und mit den am Verbreitungsort vorhandenen Gedankengut mischten, und sei sind Zeugnisse für die Vielfalt des frühen Chrisetntums.

Auf diesem Gebiet arbeiten mehrere Expertinnen und Experten an unserem Institut.

Lena Seehausen forscht zu altirischen Apokryphen mit einem Fokus auf Tod, Sterben und Jenseitsvorstellungen.

Dr. Paulus Enke hat sich mit Träumen in Apostelakten beschäftigt, und arbeitet z. Zt. über Auferstehungs- und Visionstexte.

Nicole Oesterreich untersuchte vor allem apokalyptische apokryphe Texte im Hinblick auf die Art der Erzählung der Offenbarungen und die dahinter liegenden Vorstellungen unter Einbezug kognitions- und neurowissenschaftlicher Erkenntnisse.

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