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Veranstaltungsort: Philippuskirche Leipzig

Schon immer sind Kirchenräume auch diakonische Räume – auch wenn das nicht immer so offensichtlich ist. In Kurzvorträgen zu Citykirchen, Gemeindezentren und Dorfkirchen will diese Abendveranstaltung die implizite diakonische Dimension von Kirchenräumen erkunden. Resonanz gibt es aus der Katholischen Theologie, auch zur Diskussion wird Gelegenheit sein. Der Abend findet statt im Rahmen einer interdisziplinären Fachtagung des Instituts für Praktische Theologie der Universität Leipzig zu neuen, diakonischen oder gemeinwesenorientierten Nutzungen von Kirchenräumen.

Grußwort
Sebastian Feydt, Superintendent Kirchenbezirk Leipzig

Citykirchen – Menschen-offene Nah-Räume im Herzen der Stadt
Dr. habil. Hilke Rebenstorf, Wissenschaftliche Referentin am Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD mit den Schwerpunkten Kirchen- und Religionssoziologie, PD am Institut für Sozialwissenschaften

Kirchliche Programme und Probleme der Inklusion – Betrachtungen zum ‚Gemeindezentrum‘
Prof. Dr. Jan Hermelink, Professor für Praktische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen

„Weniger ist anders“ – Dorfkirchen als diakonischer Gastraum
Dr. Christine Siegl, Postdoc und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Theologie – Homiletik, Liturgik, Poimenik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum

Response aus der Liturgiewissenschaft
Prof. Dr. Albert Gerhards, Professor em. für Liturgie-wissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, Sprecher der DFG-Forschungsgruppe „Sakralraumtransformation“


Die Tagung steht im Kontext des Teilprojekts 2 der DFG-Forschungsgruppe 2733 „Sakralraumtransformation. Funktion und Nutzung religiöser Orte in Deutschland“ mit dem Fokus auf hybride Nutzungsformen im ostdeutschen Kontext. Sie wird gefördert von der Stiftung Alfred Jäger für Diakonie (St.Gallen). 

Symposium "Diakonische Kirchen(um)nutzung"

Diakonische und gemeinwesenorientierte Transformationen spielen in der Forschung zu Kirchen(um)nutzung gegenüber kommerziellen und kulturellen Nutzungen bisher eine untergeordnete Rolle. Im Rahmen der Forschung zu Sakralraumtransformationen im Osten Deutschlands  fallen jedoch einige prominente Beispiele in diesem Bereich auf. Diese werden auf dem Symposium in einen weiteren Kontext gestellt. Zum einen wird explizite diakonische Kirchen(um)nutzung in den Blick genommen. Diese umfasst die Mit- und Umnutzung von Kirchen durch diakonische Institutionen oder in dezidierter Beteiligung an Stadt- und Regionalentwicklung, aber auch Kirchenräume in diakonischen Einrichtungen in Geschichte und Gegenwart. Zum anderen soll die implizite Diakonizität von Kirchenräumen reflektiert werden. Sie zeigt sich dort, wo Kirchenräume als offene Räume der Gastlichkeit, als Schutzräume, als Orte grenzüberschreitender Gemeinschaft etc. genutzt und erlebt werden und ist sozialräumlich differenziert baulich verkörpert – in Citykirchen, Gemeindezentren und Dorfkirchen.

Die Tagung führt Expert:innen aus der Ev. und Kath. Theologie, der Geschichte und Kunstgeschichte, der Architektur, der Diakoniewissenschaft, der Stadt- und Regionalplanung, der Immobilienwirtschaft, der Soziologie und Kulturwissenschaft sowie der Religionswissenschaft zusammen, um im interdisziplinären Gespräch neue Perspektiven zu erschließen.

DFG-Forschungsgruppe 2733 "Sakralraumtransformation. Funktion und Nutzung religiöser Orte in Deutschland"

Nutzungsveränderungen von Kirchengebäuden führen häufig zu Kontroversen, an denen unterschiedliche Interessen und Bedeutungszuschreibungen verhandelt werden. Ziel der DFG-Forschungsgruppe ist, durch die Zusammenführung unterschiedlicher Forschungsansätze aus Liturgiewissenschaft und Kirchentheorie, Philosophie und Raumtheorie, Architektur, Immobilienwirtschaft, Denkmalschutz und Kunstgeschichte eine praxisrelevante „Theorie des sakralen Raumes“ im 21. Jahrhundert zu erarbeiten.

Beteiligt sind die Universitäten Bonn, Leipzig, Wuppertal und Köln sowie die Katholische Akademie Schwerte. Untersuchungsräume sind Aachen und Leipzig.

Teilprojekt 2 untersucht Transformationen in Leipzig als einer ehemals mehrheitlich evangelischen, inzwischen weitgehend säkularen Stadt im Osten Deutschlands. Das Ziel ist es, die leitenden Logiken dieser Prozesse in einem säkularen Umfeld wahrzunehmen. Das Projekt folgt der Hypothese, dass die Schaffung hybrider Räume zu einem besonderen Kennzeichen der Sakralraumtransformationen in Leipzig gehört – die Schaffung von Räumen also, die neben einer im engeren Sinne sakralen Nutzung für eine im weiteren Sinn 'gesellschaftliche' bzw. kulturelle Nutzung geplant sind.

Erstellt von: Dr. Kerstin Menzel