Der Verein „Evangelische Diaspora e.V.“ fördert Projekte im Bereich der Wissenschaft, unterstützt Exkursionen und bezuschusst Publikationen rund um das Thema evangelische Diaspora.

Foto einer Vortragssituation im GAW
Prof. Fitschen beim Vortrag während einer Veranstaltung des Diasporavereins, Foto: Maaja Paska.

Der Verein

Die heute selbstverständliche Verwendung des Begriffes „Diaspora“ im kirchlichen Kontext war im 19. Jahrhundert so selbstverständlich nicht. Auch bei der Gründung des Gustav-Adolf-Vereins, des Vorläufers des GAW also, war von Diaspora keine Rede; erst 1842 ist er nachweisbar. Verwendet wurde er dann oft als theologische Überhöhung der oft kargen Minderheitenexistenz von Protestanten unter katholischer oder auch orthodoxer Dominanz.

Der Begriff Diaspora entwickelte im kirchlichen Kontext der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine gewisse Attraktivität und wurde so auch von der „Eisenacher Kirchenkonferenz“ aufgenommen. Dabei handelte es sich um ein erstmals 1852 tagendes gemeinsames Gremium der Kirchenleitungen der deutschen evangelischen Landeskirchen, das gleich bei seiner ersten Sitzung zu einer „Diasporakollekte“ aufrief. Diese Kollekte wurde seit 1884 alle zwei Jahre eingesammelt, und die Diasporaarbeit wurde durch einen Diasporaausschuss verstetigt, der sich vor allem um die evangelischen Auslandsdeutschen kümmern sollte. Diaspora war also auch hier schon nicht nur eine religiöse Frage, sondern eine kulturelle und herkunftsbezogene. Spätestens in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches fand der Diaspora-Begriff im evangelischen Bereich weitere Verwendung und etablierte sich im kirchlichen und protestantisch-gesellschaftlichen Feld.

Heute wird der theologisch definierte Begriff „Diaspora“ oft durch den nüchterneren Begriff „Minderheit“ ersetzt. Und tatsächlich sind viele Protestanten in Europa und der Welt statistisch gesehen erst einmal das: eine Minderheit in konfessioneller und religiöser Hinsicht.

(Klaus Fitschen)

Der Verein „Evangelische Diaspora e.V.“ verfolgt das Ziel, in enger Zusammenarbeit mit dem Gustav-Adolf-Werk (GAW) das zu leisten, was nicht zu den eigentlichen Aufgaben des GAW gehört: Projekte im Bereich der Wissenschaft zu fördern, Exkursionen zu unterstützen und Publikationen zu bezuschussen. Hier und da werden auch gemeinsame Projekte von Verein und GAW durchgeführt. Die enge Zusammenarbeit des Vereins mit dem GAW wird auch dadurch gewährleistet, dass der Generalsekreatär des GAW Mitglied des Vereinsvorstands ist.

Die nach der Wiedervereinigung gewachsenen Hoffnungen, ein „Institut für Diasporawissenschaft“ in der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig oder im Zusammenhang mit ihr zu gründen, haben sich nicht erfüllt, vielmehr ist es bei der Vereinsstruktur geblieben, da die personellen und finzanziellen Ressourcen nicht mehr ermöglicht haben. Umso flexibler und engagierter steht der Vorstand für die Sache der evangelischen Diaspora ein.

Foto von verschiedenen Büchern und Heften
Publikationen des Diasporavereins, Foto: Kerstin Backhaus.

In den letzten fünf Jahren wurden durch den Verein folgende Projekte anteilig unterstützt:

  • Exkursionen für Studierende, u. a. nach Prag, Klausenburg, Graz, Görlitz, Straßburg, Warschau, Bratislava
  • Nachwuchstagungen zum Protestantismus in der DDR (innerdeutsche Diaspora)
  • Studienaufenthalte für Doktoranden: Indrek Pekko (Estland, Zuschuss zu den Aufenthaltskosten), Michael Pfann (Tschechien, Zuschuss für Übersetzungskosten der Dissertation)
  • Publikationen, z. B. „Lexikon der bedeutendsten Protestanten in Polen-Litauen im 16. Jahrhundert“ (Herausgeber: Dr. Georg Ziaja), Ungarisches Pfarrerbuch, Ausstellung „Brückenschläge - D. E. Jablonski im Europa der Frühaufklärung“

 

Folgende Projekte sind als nächstes mit den Mitteln des Vereins geplant:

  • Exkursionen für Studierende nach Bratislava
  • Sammelband „Evangelische Diasporakirchen nach dem Ersten Weltkrieg und ihre ökumenischen Beziehungen“ (erscheint als Jahrgang 2018/19 des Jahrbuchs „Die Evangelische Diaspora“):
    I. Der Erste Weltkrieg als Katastrophe für die Ökumene der Diaspora
    II. Der Zerfall der Reiche und die Geburt neuer Kirchen
    III. Diasporakirchen als Deutschlands Gegner über den Krieg hinaus?
    IV. Ökumenische Tagungen als schwierige Orte der Begegnung
    V. Eine Neuorientierung des GAW? Kontinuität und Neuanfang. Ein Ausblick auf die 1920er Jahre
Foto einer Vortragssituation im GAW

Tagung "Aufarbeitung der Geschichte des GAW in der Zeit des Nationalsozialismus" (22.-23.11.2019)

Am 22. und 23. November 2019 fand in Leipzig die überregionala Tagung zur Aufarbeitung der Geschichte des GAW in der Zeit des Nationalsozialismus statt.

Das Gustav-Adolf-Werk gehört zu den wenigen protestantischen Vereinen und Verbänden, die außerhalb von Diakonie und Innerer Mission die nationalsozialistische Diktatur und auch die SED-Diktatur in nennenswerter Größe überstanden haben und bis heute lebendig sind. In seiner 185jährigen Geschichte ist es unter wechselnden politischen Rahmenbedingungen (nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Ländern seiner Partnerkirchen) seinem Auftrag nachgekommen. Dennoch ist die Zeit des Dritten Reiches nicht einfach eine Episode. Die politischen Rahmenbedingungen (wiederum nicht nur die in Deutschland) waren eigener Art und lassen danach fragen, ob und wie das GAW bzw. der damalige GAV seinem Auftrag nachkamen. Immerhin agierte man im Rahmen einer Politik und Kirchenpolitik, die eine Gemengelage aus totalitärem ideologischen Anspruch, kirchlichen Einverständniserklärungen zum Nationalsozialismus, innerkirchlichem Widerspruch gegen die staatliche Gleichschaltung der Kirchen mit dem Staat und in der Kriegszeit auch einer Besatzungsherrschaft darstellte, die viele Partnerkirchen des GAW in den an Deutschland angrenzenden Ländern betraf.

Prof. Dr. Klaus Fitschen

Prof. Dr. Klaus Fitschen

Vorsitzender

Kirchengeschichte u.b. B. der Neueren u. Neuesten Kirchengeschichte
Institutsgebäude
Beethovenstraße 25
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35432

Prof. Dr. Gert Pickel

Prof. Dr. Gert Pickel

stellv. Vorsitzender

Religions- und Kirchensoziologie
Institutsgebäude
Beethovenstraße 25
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35463

Prof. Dr. Peter Zimmerling

Prof. Dr. Peter Zimmerling

Vertreter der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig

Institut für Praktische Theologie
Institutsgebäude
Beethovenstraße 25
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35462

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Pfr. Enno Haaks

Telefon: +49 341 4906228

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Henning von Bischoffshausen

Schatzmeister des Diaspora-Vereins

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Der jährliche Mindestbeitrag beträgt: für Einzelpersonen 25 Euro, für juristische Personen 125 Euro.

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  • Sparkasse Leipzig
    BLZ: 860 555 92 / BIC: WEADE8LXXX
    Konto Nr.: 10 901 836 38 / IBAN: DE57 8605 5592 1090 1836 38
    Steuer Nr.: 231/140/2386

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